Ludwigsburger Zeitung

„Dekukistische“ Bilder eines Pferdenarren

 

Gvido Esmanis zeigt Gemälde und Kleinplastiken in einem ehemaligen Stall

Für einen Tag verwandelte der Maler Gvido Esmanis einen ehemaligen Pferdestall in die Galerie für seine Bilder und Kleinplastiken aus Ton. Der Titel der Ausstellung „Alles Pferd – oder was?“ umriss den Inhalt: Der malende und modellierende Pferdeliebhaber zeigte überwiegend Arbeiten, zu denen ihn Rösser inspiriert haben.

 

 

 

VON RUDOLF WESNER

 

 

Über 60 zumeist farbopulente Bilder und mehr als 20 Kleinplastiken aus Ton, die im Verlauf der zurückliegenden drei Jahren entstanden, zeigte Gvido Esmanis – dessen Vorfahren aus Lettland kamen, der aber 1953 in Stuttgart geboren wurde – in den Stallungen, in denen noch der Geruch der einstigen, vierbeinigen Bewohner spürbar war. Um das rustikale Ambiente zu untersteichen, lagen sogar Strohreste in etlichen Boxen.

Vor zehn Jahren hatte Esmanis mit dem Umbau eines kleineren Stallgebäudes in der Münchinger Ziegeleistraße 23/29 begonnen, um sich darin ein Atelier einzurichten. Anfangs beschäftigte sich der Autodidakt ausschließlich mit Ton, denn, so sagt er: „Ich brauchte etwas zum Anfassen“. Schon damals wählte er Pferde als seine Motive. Teils formte er deren Körper, häufig auch nur die edlen Köpfe, in sehr naturhafter, teils reduzierter Darstellung. Die Plastiken leben von der darin festgehaltenen Bewegung, doch sind es auch die farblich fein nuancierten Glasuren, die den einzelnen Arbeiten einen ästhetischen und in der Formensprache harmonischen Ausdruck verleihen.

Im Jahr 2003 begann Gvido Esmanis, der es ausdrücklich vermeidet, sich als Künstler zu bezeichnen und sich stattdessen Freiwerker nennt, zu malen. Auch hier ließ er sich nicht auf einen bestimmten Stil festlegen. In der Ausstellung zeigte er in erster Linie Bilder zum Thema „Pferd“. Gleichermaßen im Bereich der abstrakten wie noch konkreten Malerei bewegt er sich darin.

Dabei macht er es den Betrachtern häufig nicht ganz leicht, denn die Gestalt eines Pferdes schält sich erst nach intensiver Betrachtung der abstrakten, leuchtenden Farben heraus, ähnlich wie dies bei einem Vexierbild der Fall ist. In etlichen Arbeiten setzt sich der aktive Reiter auch kritisch mit Pferdehaltung und Pferdedressur auseinander und geißelt Methoden, mit denen Pferdebesitzer ihre Tiere zu beständiger Leistungssteigerung zwingen.

Der Betrachter solle so entscheiden, ob er seine Bilder als Dekoration, Kunst oder Kitsch empfindet, sagte Esmanis und prägte spontan den Begriff „Dekukismus“ zur Einordnung seines kreativen Schaffens. Aber dessen ungeachtet sind seine mit lebhaftem Gestus geschaffenen Werke stets voller Spannung, auch wenn sie gelegentlich von ihm bewusst dekorativ gemalt werden.