Zehnjähriges Bestehen Freiraum

 

Erstmals präsentiert Gvido Esmanis Werke aus der Serie „ALLES PFERD – oder was?“ in einer Sonderausstellung. Die Bilder und Plastiken entstehen in seinem Werkstatt-Atelier „Freiraum“ welches sein zehnjähriges Bestehen feiert. 2001 hat Esmanis einen Teilbereich vom Pferdestall zum Werkstatt-Atelier umgebaut; Dutzende Milchkühe und bis zu zwanzig Pferde hatten auf dem Hof ihr Zuhause. Nun ist das letzte Pferd ausgezogen. Die Gelegenheit für den „Freiwerker“, wie er sich selbst bezeichnet, den kompletten Stalltrakt zum Kunstraum zu erklären.

Plastiken aus gebranntem Ton, erdenfarben oder bunt, meist skurril, werden neben abstrakten Bildern im gesamten Stalltrakt ausgestellt. In den Werken verbergen sich oft Linien, Konturen oder Farbflächen, entlehnt aus der Anatomie des Pferdes.


Vielfach mit dem Pferd verbunden

Im vierten Jahrzehnt ist der heute 57-Jährige mit Pferden verbunden. Schon sein Geburtsort passt dabei in seine Vita. Der Name Stuttgart entspringt einem im 10. Jahrhundert gegründeten Gestütshof, einem „Stuotgarten“, wie es im Mittelhochdeutschen heißt. Gefallen an den Pferden fand Esmanis als er als Leiter einer lettischen Volkstanzgruppe, seine Eltern kamen 1949 aus Lettland nach Deutschland, das Freizeitprogramm zusammenstellte und einen Besuch in einem Reitstall organisierte. Für seinen weiteren Lebensweg war dies entscheidend: „Ich bin beim Reiten hängen geblieben“ so der passionierte Reitersmann. Einige Pferde nannte er schon sein eigen; Mit einer Berufsreiterin an der Seite wurden junge Pferde ausgebildet. Auf Vielseitigkeitsturnieren war man bis zur mittelschweren Klasse unterwegs. Reiten war jahrelang das „Ein und Alles“. Mittlerweile steht das Gestalten von abstrakten Pferdeobjekten und Bildern im Mittelpunkt seiner Freizeitaktivitäten. Geritten wird heute noch sporadisch auf „Quasar“ (zu Deutsch: sternenähnliches Objekt), der im Besitz seiner Lebensgefährtin ist. Auch beruflich kreuzen Ross und Reiter oft die Pfade des Letten mit schwäbischem Akzent nämlich als Berater im Verkauf von Pferdeergänzungsfuttermitteln. Vom Umgang mit den Zusatzstoffen profitiert auch der Württemberger Wallach.


Skurrile Pferdeplastiken standen bei Esmanis am Anfang seines schöpferischen Schaffens, mittlerweile entstehen auch Bilder aus Acryl und anderen Materialien wie zum Beispiel Sand oder Holzspänen aus der Reithalle des Münchinger Reitvereins. Dort ist er zweiter Vorsitzender. Mit dem Formen des Erdenmaterials Ton, mit diesem Handwerk als Kunst, kam er erstmals bei einem Managerseminar in Kontakt. Eine Kunstpädagogin versuchte den Führungskräften einen „erweiterten Horizont“ (Esmanis) zu verschaffen.


Zu Kunst befragt - wird’s schwierig: Kann man Kunst einfach so machen? Kann ein Freiwerker Kunst machen? Unüberschaubar sei die Anzahl der Interpretationen, was denn Kunst nun sei - so Esmanis. Mehrere Aufsätze hat er darüber geschrieben. Bei seinen Arbeiten spielt er gefällig mit der Definition einer Stilrichtung: die in den 1970er Jahren in Italien auch als Transavantgarde bezeichnete Arte cifra. Hier nahm die postmoderne Malerei ihren Anfang. In Deutschland wurden die Künstler der Postmoderne wegen ihrer "heftigen" Malweise und der lustvollen Verwendung von Farben als "Neue Wilde" bezeichnet. Ihre Bilder sind manchmal voller Rätsel, oft auch verschlüsselt, bieten aber manchmal Chiffren zu Lösungen an.

Will man im Zusammenhang meines Tuns von Kunst sprechen, tangieren meine Werke diese Stilrichtung. Mir kommen die dafür als typisch definierten Merkmale entgegen: der spielerische Umgang mit Materialien, die Freiheit des extremen Stilpluralismus. "

Namhafte Persönlichkeiten aus nah und fern stehen auf der Liste der persönlich Eingeladenen. So unter anderem Professor Christoph Brudi, bis 2003 Dozent an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, die dänische Olympiareiterin Lone Jörgensen, Karl Schanz, deutscher Meister der Beschlagschmiede im Jahre 1990, der Leiter der westfälischen Reit- und Fahrschule und ehemalige Bundstrainer der Vielseitigkeitsreiter Rittmeister Martin Plewa sowie der ehemalige Oberbereiter der spanischen Hofreitschule in Wien, Rittmeister Arthur Kottas Heldenberg, um nur einige zu nennen.