Über meine Arbeiten

 

Kunst, in kleinbürgerlichem Gedankengut als Abstraktum zu Können im Kontext mit dem Synonym „meistern“ oder „Meister“, suggeriert eine handwerkliche Fähigkeit als Voraussetzung Wertiges zu schaffen. Bei abstrakter, moderner und postmoderner Kunst gibt es diesbezüglich Zweifler. Ist es in Ordnung, dass beim Verlassen ausgetretener Wege nichts bleiben darf wie es war? „Natürlich“ tönt es weit und breit. Dem ist so!

Wer setzt nun neue Spielregeln? Wer unterscheidet in unseren Tagen zwischen fragwürdigen und seriösen neuen Beurteilungsgrundsätzen und Maßstäben? Interessiert es überhaupt, wie man Kunst heute definiert? Und - wo sind die Grenzen, wo der Nutzen von Definitionsvorschlägen?

Mögen sich Kenner und Wissende vortrefflich darüber streiten. Auch ob es Kunst ohne philosophisches Fundament geben darf, die künstlerische Kompetenz gekoppelt sein muss an gesellschaftlichem Engagement. Ob Künstler Brücken bauen und einen Beitrag für anstehende gesellschaftliche Veränderungen zu leisten haben. Und wenn ja, in welcher Form – und wenn nein – warum nicht? Sie - die Kunst prinzipiell politisch sein muss oder darf. Ob der heutige Einfluss der Kunst vergleichbar mit dem um 1900 ist, ob sich Kunst im Kopf oder in Galerien und Cafes abspielt; Ob echte Kunst chaotisch ist oder nicht. Darf alles Mißlungene als Werkspur verkauft werden? Und: ist die Verweigerung eines bestimmten Stils mit dem Verzicht auf Komposition mit der Reinheit der Kunst oder gar mit der modernistischen Ästhetik zu vereinbaren? Ist die psychologische Interpretation von Bildern und Plastiken die wahre Kunst?

Dies alles und noch viel mehr – möge klären wer sich dazu berufen fühlt.

Ich bin bei denen, die behaupten dass Kunst alles sein kann: für die einen der Zauberspiegel der Seele, für andere ein Bilderbogen für große Kinder.  Heutzutage auch für Menschen wie du und ich.

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In dem Spannungsfeld zwischen Möchtegern-Kunstversteher und Kunsthooligan hilft mir ein Zitat von Johannes Christian Friedrich Hölderlin:

„Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts als meiner seligen Insel.“ So freue ich mich meine "künstlerische Insel“ gefunden zu haben und arbeite unbeeindruckt und abseits des Kunstbetriebes. 

 

Oft sprechen Farbe und Formen, manchmal schwarz und weiß; Konturen von Pferden hebe ich hervor oder lasse sie verschwinden; ich abstrahiere, karikiere, stelle manches auf den Kopf. Male experimentell, mehrdeutig, subtil. Forme skurriles mit der Hand. Schaffe vieles für den zweiten Blick.

Aus Nichts etwas gestalten, inneren Bildern, Farbmelodien und Linien folgend. Das Entstehen zelebrieren, leben mitten im Material und Farbenspektakulum. Je nach Gemütslage spiegeln sich auch gesellschaftskritische Gedanken in den Objekten.

Bei meinen Arbeiten spiele ich mit der in den 1970er Jahren in Italien als Transavantgarde bezeichneten Arte cifra. Ihre Bilder sind manchmal voller Rätsel, oft auch verschlüsselt, bieten aber manchmal Chiffren zu Lösungen an.  Mir kommen die dafür als typisch definierten Merkmale entgegen: der spielerische Umgang mit Materialien, die Freiheit des extremen Stilpluralismus. "

 

Bei Manchem wird beim Betrachten der Objekte die Phantasie angeregt, manche werden gefordert – andere nicht.

Bei allen Objekten möge er, der Betrachter, die Wahrheit finden – oder auch nicht. 

Auf Wunsch interpretiere ich.

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Gedankenfetzen - Apropos "Interpretieren" - Gedankenfetzen - Gedankenfetzen -

 

Museen, Ausstellungen und Galerien habe ich besucht. Auch manchen Blick in Kunstschulen, Kunstakademien und Kunststiftungen sowie organisierten Kunstvereinsveranstaltungen ließ ich mir nicht entgehen. Die ein oder andere Vernissage, Midissage und Finissage durfte ich erleben; Vieles in den letzten Jahren über die moderne Kunst gelesen. Absolut beeindruckende Werke der modernen Kunst  habe ich gesehen und erlebt; Faßzinierendes! Provokant, Sinnlich, Ideenreich, Mehrdeutig,  Berührend, Herausfordernd, Kritisch - auch dem Zufall überlassendes.

Mehr begegnet mir jedoch, meine Intelligenz beleidigendes*, dummes Gewerke. Absolut banale Bilder und Objekte oder pseudointellektuelle provokante Dünnbrettbohrerei.

Mich schmerzte zu einem Zeitpunkt, da ich die Szene noch seriös und ernst betrachtete, wie es wortgewandte Sprachakrobaten schaffen, uns Betrachter, auch absolut Schwachsinniges, Belangloses und Langweilges gekonnt schlau, interessant und betrachtenswert zu reden. Manch Kunstgeschwätz des Kunstzirkuses ist einfach puzzig. Er ist gespickt mit Künstlern der Sprachabstraktion. Vortrefflichst ausgestattet mit gar unerschöpflichem Wortschwall. Sinnfreies Sprachlametta aufgemotzt mit lyrischer Wortwahl, Metaphern und volltönender schlau wirkenden Füllwörtern, supplementiert durch zahlreiche Adjektivanhäufungen. Geschickt bedienen sie sich variantenreich der Metakommunikation. Höchst interessant wird es, wenn in abstrakten Werken metaphysische Botschaften entdeckt- vermutet- erahnt werden. Dann laufen sie zur Höchstform auf, die Gscheidscheeschlauwortdrechsler der Szene. Heute amüsiere ich mich mehr und mehr darüber und gehöre zu denen, die so manches vom Dahergerede in der Manege des Kunstbetriebes als Simsalabim, aufgemotztes  Abrakadabara und geschwollenes Rüttelprümpf wahrnehmen. Die Grenzen sind aufgeweicht - zwischen seriösem Interpretieren und dem Gekasper mancher "Kunstexperten". Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. In Bildern, Objekten, Installationen und Worten.

(*aus "Picasso war kein Scharlatan" von Ephraim Kishon)

 

Gvido Esmanis (aktualisiert am 26.4.2012)